BIOGRAFIE
Hakan Tugrul ist ein in Berlin lebender Musiker und Komponist. Seine künstlerische Arbeit verbindet musikalische Traditionen aus Anatolien, Iran und angrenzenden Kulturräumen mit zeitgenössischen Ausdrucksformen. Im Zentrum seiner musikalischen Praxis steht die Santur – ein traditionsreiches persisches Saiteninstrument, dessen Klangästhetik und Ausdrucksmöglichkeiten seine künstlerische Entwicklung von Beginn an maßgeblich geprägt haben. Seine Arbeiten entstehen im Spannungsfeld von Konzertpraxis, Komposition und transkultureller Zusammenarbeit und verstehen Musik als einen offenen Raum, in dem unterschiedliche musikalische Erfahrungen, Traditionen und Perspektiven miteinander in Dialog treten.
Geboren in Istanbul, begann Tugrul seine musikalische Laufbahn im Jahr 2009. Sein wachsendes Interesse an der Santur führte ihn in den Iran, wo er sich intensiv mit dem Instrument und der klassischen persischen Musik auseinandersetzte. Im Jahr 2013 erhielt er die Möglichkeit, im direkten Einzelunterricht mit dem renommierten Santur-Virtuosen Ali Bahrami-Fard zu arbeiten, der an der Shiraz University Komposition, Musiktheorie und Santur lehrt und zu den bedeutenden Vertretern seines Instruments zählt.
Zwischen 2012 und 2015 gründete Tugrul das Ensemble Temir Taiksa, das Musiker:innen unterschiedlicher kultureller Hintergründe zusammenbrachte. Mit dem Ensemble trat er an bedeutenden Konzertorten in Istanbul auf und veröffentlichte das Album Coalesce, das ausschließlich aus eigenen Kompositionen besteht. Im Rahmen der Arbeit von Temir Taiksa war das Ensemble mehrfach in Produktionen des türkischen Staatsfernsehens TRT zu Gast, darunter in den Dokumentarformaten İçimdeki Ses und İstanbul Söylüyor, die sich der kulturellen Vielfalt und den Klanglandschaften Istanbuls widmeten. Parallel dazu konzertierte Tugrul mit weiteren Formationen, darunter das Ebed Trio, mit dem er in verschiedenen europäischen Ländern auftrat.


Seit seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2018 entwickelt Tugrul seine künstlerische Praxis kontinuierlich weiter. Sie umfasst Konzerttätigkeit als Solist und Ensemblemusiker, Komposition sowie interdisziplinäre und transkulturelle Projekte. Mehrere seiner künstlerischen Vorhaben wurden durch Institutionen wie Musikfonds, den Deutschen Musikrat und die GEMA gefördert. Mit Unterstützung eines GEMA-Stipendiums erschien 2022 sein erstes Santur-Soloalbum Fura, das einen persönlichen kompositorischen Zugang zwischen tradierten Klangwelten und zeitgenössischen Ausdrucksformen erkennen lässt.
Zu seinen aktuellen Projekten gehört das Liget Trio, das er gemeinsam mit der Cellistin Selin Demirel sowie dem Handpan-Musiker und bildenden Künstler Tivadar Nemesi gründete. Auf der Grundlage eigener Kompositionen entwickelt das Ensemble eine eigenständige zeitgenössische Klangsprache, die Einflüsse aus Kammermusik, Improvisation und transkultureller Musikpraxis miteinander verbindet. 2023 erschien das gemeinsame Album Orman.
Im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit war Tugrul in unterschiedlichen Konzert- und Kulturkontexten in Deutschland und Europa präsent. Er trat unter anderem in der Berliner Philharmonie, im Humboldt Forum sowie im Rahmen verschiedener Konzertreihen und Festivals auf. Darüber hinaus war er 2019 und 2021 zu Gast beim Internationalen Cimbalfest in Valašské Meziříčí (Tschechische Republik), einem internationalen Festival für verwandte Hackbrettinstrumente unterschiedlicher Musikkulturen. Bei beiden Ausgaben wirkte er im Eröffnungskonzert des Festivals im historischen Žerotín-Schloss mit und war zudem im Tschechischen Rundfunk zu hören.
Zu seinen Veröffentlichungen zählen das Soloalbum Fura, das mit Temir Taiksa entstandene Album Coalesce sowie das gemeinsam mit dem Liget Trio eingespielte Album Orman.
Seit Beginn seiner musikalischen Laufbahn gehören auch Straßenauftritte in Istanbul, Berlin und verschiedenen europäischen Städten zu seiner künstlerischen Praxis. Diese unmittelbare Form des Musizierens im öffentlichen Raum prägt bis heute seinen Zugang zu Klang, Publikum und kultureller Begegnung.